(Nachricht aus der Verteilerliste Ataxie in Mexiko)
Übersetzung für BabelFAmily: Irmgard Brandl
21.05.2011 Antonio Atienza
Das Schließen einer Klinik wie das XCell-Center in Deutschland, in der Yasmina Alcolea, eine junge Inselbewohnerin mit Friedreich Ataxie, zweimal mit Stammzellen behandelt wurde, lässt jene Experten erleichtert aufatmen, die ihren Beruf ernst nehmen und die sich bei allen Forschungsstudien an die geltenden Protokolle halten, um die Entwicklung medizinischer Behandlungsmethoden gegen sogenannte „seltene“ Krankheiten voranzutreiben.
Durch die Garantie, die der berufliche Werdegang von Dr Salvador Martinez bietet, und seine Mitgliedschaft beim Consejo Superior de Investigaciones Científicas [Nationaler Forschungsrat] (welcher Teil des Instituto de Neurociencias [Institut für Neurowissenschaft] der Universidad Miguel Hernández ist) in Alicante, sowie aufgrund seiner Stellungnahme, die bei Weitem keinen Grund zur Verzweiflung bietet, kann man sicher sein, dass mit Hochdruck gearbeitet wird und dass die erzielten Ergebnisse allen möglichen Sicherheitsanforderungen entsprechen.
— Stimmen die Erwartungen an die Behandlung mit Stammzellen mit der Realität überein?
— Im Allgemeinen nicht. Zweifellos haben der Erfolg bei der Behandlung mit Zellen bei Blutkrankheiten und die Existenz von Zellen, die in einigen soliden Geweben Regenerierungsfähigkeit aufweisen, zusammen mit den teilweise positiven Ergebnissen bei In-vitro-Versuchen (Zellkultur) und bei Tieren, dazu beigetragen, Optimismus und unrealistische Erwartungen zu wecken, dass man alles generieren kann.
— In welcher Phase befindet sich die Forschung?
— Die Forschung wurde in den letzten Jahren durch das Wissen über die Stammzellbiologie und deren Anwendung bei geeigneten Tiermodellen gelenkt. Nach der Anfangsphase (die etwas chaotisch und unkoordiniert verlief) wurden die Grenzen und sinnvollen Möglichkeiten der Zellen zur Behandlung von Krankheiten deutlicher sichtbar. Die klinische Forschung mit Zellen wird gut kontrolliert und gemäß geeigneter wissenschaftlicher Parameter in klinischen Studien durchgeführt, die in (gesetzlich geregelten) Protokollen festgehalten werden.
— Warum ist die Stammzellforschung in einigen Ländern verboten oder nur eingeschränkt zugelassen?
— Ich denke, dies geschieht aus historischen, sozialen und religiösen Gründen. Es gibt keine wissenschaftlichen Gründe, die gegen eine normal durchgeführte Forschung auf der Basis von Zellen spricht. Wenn die Forschung in regulierter Form und unter Einhaltung der von den Ethikkommissionen aufgestellten moralischen Vorgaben für experimentelle und klinische Forschung durchgeführt wird, so sind die sozialen Werte garantiert.
— Werden die Versuche bereits an Menschen durchgeführt?
— Es gibt regulierte klinische Studien, die allen wissenschaftlichen Anforderungen entsprechen. Auf diese Weise lässt sich sicher bestimmen, ob eine Technik zur medizinischen Behandlung genutzt werden kann. Das ist unerlässlich.
— Wie lange braucht man, um die Nebenwirkungen einer Behandlung (nicht unbedingt beim Menschen) festzustellen?
— Zwar kann man sich in der Biologie nicht über praktisch alles sicher sein, jedoch stehen uns heutzutage äußerst sensible Analysetechniken zur Verfügung, die uns in die Lage versetzen, viele Prozesse und Organe zu erforschen. Daher können wir in kurzer Zeit sowohl die positiven als auch die negativen Auswirkungen der Experimente untersuchen. Die frühen Nebenwirkungen sind bereits nach zwei bis vier Wochen erkennbar, diejenigen, die spät auftreten, müssen über Jahre hinweg nachbeobachtet werden.
— Es gibt Kliniken in Ländern, deren Gesetzgebung die Behandlung mit Stammzellen erlaubt. Erfüllen sie die Mindestanforderungen dessen, was bislang über die Anwendung der Zellen bekannt ist?
— Im Allgemeinen nicht. Die Behandlung dort wird nicht durch experimentelle Daten gestützt und es werden nur selten klinische Studien durchgeführt, daher erfüllen sie die Mindestanforderungen an die wissenschaftlichen und ethischen Regeln nicht. In der Medizin ist das Scharlatanerie, die durch den Glauben an die Magie begünstigt wird und die durch ein Wirrwarr an unvollständigen wissenschaftlichen Daten entsteht. Diese Kliniken spielen mit der Würde und der Verzweiflung der Menschen.
— In welchem Ausmaß beeinflussen Betrugsfälle jene Regierungen, die die Forschung zulassen, sodass diese ihre Meinung ändern und die wissenschaftliche Arbeit einschränken, oder noch schlimmer, verbieten?
— Ich weiß nicht, ob das passieren wird, aber es ist unerlässlich, dass diese betrügerisch handelnden Kliniken verschwinden, denn die Betroffenen, die verzweifelt sind und ohne angemessene Beratung bleiben, sind immer bereit, das zu akzeptieren, was ihnen diese skrupellosen Personen anbieten.
— Es gibt Familien, die sich dem Risiko einer Stammzellbehandlung aussetzen, weil es für sie die einzige Möglichkeit darstellt, wenn es ihnen an Lösungen durch die öffentlichen Gesundheitseinrichtungen fehlt. Welche Gefahren birgt diese Praxis?
— Das ist nicht ganz richtig. Es gibt stets vernünftige Methoden, um gegen Krankheiten zu kämpfen und den Patienten zu helfen. Es besteht immer die Möglichkeit, die Basis oder die Strukturen zu schaffen, um die Grundlagenforschung und die klinische Forschung an einer Krankheit voranzutreiben. Die Wissenschaft sucht nach Antworten auf fast alle Krankheiten; logisch ist es, diese Initiativen zu unterstützen.
— Gibt es irgendjemanden, der es wagen würde ihnen zu raten, ihr Vertrauen dem öffentlichen Gesundheitswesen zu schenken, wenn ihnen dort keine Lösung angeboten wird?
— Es gibt immer eine Lösungsmöglichkeit, und sie liegt in der Förderung der Forschung und damit in der Durchführung klinischer Studien. Die Patienten haben das Recht, eine vernünftige wissenschaftliche Lösung von den Regierungen, die durch ihre Steuergelder finanziert werden, zu fordern.
— Unterstützt die spanische Regierung die Stammzellforschung oder werden die Wissenschaftler wieder einmal mit einer gesetzlichen Zulassung und fehlenden Mitteln zur Durchführung der Forschung konfrontiert?
— Die spanische Regierung fördert zum Glück die Stammzellforschung. Daher macht es keinen Sinn, Kliniken, die in betrügerischer Absicht handeln, in unserem Land zu haben. Durch eine korrekte Vorgehensweise können öffentliche Gesundheitseinrichtungen (oder auch private Initiativen) viel Interessantes für die Patienten erreichen.
In Studien können nur „lokalisierte positive Wirkungen“ erkannt werden Knochenmark und Fettgewebe sind eine leicht zugängliche Quelle zur Gewinnung von Stammzellen durch ein minimal-invasives Verfahren. Es konnte nachgewiesen werden, dass sie den Zelltod bei vielen Krankheiten, unter anderem auch bei neurodegenerativen Erkrankungen, verringern oder verhindern.
Es gibt verschiedene Methoden, durch die die Stammzellen die Folgen von Krankheiten mildern, wie z. B. durch den Zellfusionsprozess, die Transdifferenzierung und die Freisetzung des trophischen Faktors. Daher wurden diese Zellen in Friedreich Ataxie-Modellen verwendet, um zu bestimmen, ob sie sich möglicherweise günstig auswirken und in Zukunft, entsprechend einer Studie am Instituto de Neurociencias, an der Salvador Martínez teilgenommen hat, zu einem therapeutischen Instrument werden.
Die Studie führte zu dem Schuss, dass Stammzellen einen örtlich begrenzten, positiven Einfluss (neurotrophischer Art) auf die Friedreich Ataxie-Zellen ausüben, und damit einen „möglichen therapeutischen Ansatz“ für diese Krankheit darstellen. Eine Feststellung, die immer noch sehr weit entfernt ist von den Botschaften der „Scharlatane“, und die zeigt, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben, bevor für bestimmte Krankheiten, die bis jetzt nicht heilbar sind, eine effiziente und sichere medizinische Behandlung gefunden werden kann.
Eine Kurzbiografie des Forschers, der an einem Zentrum arbeitet, das eine umsichtige Vorgehensweise gewährleistet
Salvador Martínez Pérez arbeitet seit Juni 1985 als Doktor der Medizin an der Universidad de Murcia. Er schloss sein Staatsexamen, Jahrgang 1984-1985, mit Auszeichnung ab. Professor Luis Puelles López betreute ihn vom Dezember 1985 bis November 1987 als Mentor bei seiner Doktorarbeit an der medizinischen Fakultät von Murcia im Departamento de Ciencias Morfológicas. Er promovierte im Fach Medizin an der Universidad de Murcia, die Disputation erfolgte am 30. November 1987. Er schloss das Doktorexamen, Jahrgang 1986-87, mit Auszeichnung ab.
Seit April 2004 ist er Universitätsprofessor. Prodekan und Forscher am Instituto de Neurociencias, UMH-CSIC. Direktor des Labors für experimentelle Embryologie am Instituto de Neurociencias, UMH-CSIC.
Die Forschungslinien konzentrieren sich auf die Entwicklung und Morphogenese des Vertebraten-Nervensystems, eine Studie, die vor allem die molekulare Kontrolle der Entwicklung und deren zelluläre Auswirkungen in der pathologischen und normalen Ausbildung des Gehirns zum Ziel hat.
Außerdem ist er Miturheber der Forschung über die Anwendung von Stammzellen bei Friedreich Ataxie.
| Kommentare |
|





