Prof. Marina Marini, Außerordentliche Professorin für Biologie und Genetik an der Universität Bologna
Übersetzung für BabelFAmily: Tatjana Heckmann
Mai 2011 - Der italienische Verband für den Kampf gegen Ataxie, A.I.S.A., hat gemeinsam mit dem Landesverband A.I.S.A. Emilia Romagna die Finanzierung des von Prof. Marina Marini vorgeschlagenen Forschungsprojektes für das Jahr 2010 beschlossen. Prof. Marini ist außerordentliche Professorin für Biologie und Genetik an der Universität Bologna "Alma Mater Studiorum", Abteilung für Histologie, Embryologie und Angewandte Biologie - Fakultät für Medizin und Chirurgie.
Ziel des Projektes ist die Wirkung eines natürlichen Antioxidans', dem Tocotrienol, zu untersuchen. Es handelt sich dabei nicht um ein echtes Arzneimittel, sondern es ist als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich (man könnte es als eine verstärkte Form von Vitamin E bezeichnen).
Das Projekt ist die zweite Phase eines früheren Versuchs mit ermutigenden Ergebnissen und wurde bereits mit fünf Patienten gestartet, die sich derzeit in Therapie befinden.
Das Tocotrienol soll über einen kürzeren Zeitraum als in der Pilotstudie verabreicht werden. Laut verantwortlichem Team aber dennoch lange genug, um die biologische (nicht die therapeutische) Wirkung im Blut der Patienten zu erkennen.
Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit mehreren Forschungszentren durchgeführt, die an ähnlichen (nicht von uns finanzierten Studien) arbeiten und das gemeinsame Ziel haben, Ataxie zu besiegen.
Im Bereich dieser wissenschaftlichen Zusammenarbeit wurden die Basisproben (Vorbehandlung) vom Ospedale Maggiore (Dott. Pini) erhoben, während die Einrichtung von Prof. Marini die Trennung von weißen und roten Blutkörperchen sowie Plasma und die Extraktion von RNA und DNA aus den weißen Blutkörperchen der Patienten übernommen hat.
Rote Blutkörperchen und Blutplasma wurden für weitere Analysen auf drei verschiedene Labors verteilt (das Labor des CNR-ISOF in Bologna, das Labor von Prof. Manfredini in Ferrara und das Labor von Prof. Modesti in Florenz); bei den noch laufenden Analysen sollen einige Parameter überprüft werden, die den oxidativen Stress vor und nach der Behandlung markieren.
Im Folgenden geben wir die Projektpräsentation wieder, die uns Prof. Marini freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
Projektvoraussetzungen
Kürzlich wurde eine Vorstudie abgeschlossen, die den Einsatz eines natürlichen Antioxidans' (Tocotrienol) bei einer Gruppe von Personen mit Friedreich-Ataxie evaluiert hat (Koordinatorin der Studiengruppe ist Prof. Manfredini, Pharmazeut an der Universität Ferrara).
Die auf ein Behandlungsjahr mit Tocotrienol bezogenen Ergebnisse bei sechs Patienten (fünf wurden mit einem integrierten Ansatz konventioneller und fortgeschrittener Magnetresonanz-Technik überwacht) sind ermutigend. Bei allen Patienten zeigte sich ein deutlicher Anstieg der antioxidativen Abwehr im Plasma; darüber hinaus wurde, analog zu anderen Studien mit Antioxidantien, ein positiver Effekt bezogen auf das Herz beobachtet. Schließlich konnte eine Tendenz zur Stabilisierung und/ oder Besserung der zerebralen und muskulären Stoffwechselmarker festgestellt werden. Dank seiner in hohem Maße antioxidativen und neuroprotektiven Eigenschaften bietet Tocotrienol also eine vielversprechende therapeutische Perspektive für die Erkrankung, bei deren Entstehung die oxidative Schädigung eine zentrale Rolle spielt.
Dieser erste Pilotversuch könnte die Basis für die Realisierung einer Längsschnittstudie an einer größeren Gruppe von Patienten mit Friedreich-Ataxie und einem längeren Auswertungszeitraum darstellen, unter Berücksichtigung der bis heute gewonnenen Erkenntnisse zur Biologie des neurodegenerativen Prozesses.
Ziele des neuen Versuchs
Für ein besseres Verständnis der Wirkung von Tocotrienol beabsichtigen wir zu prüfen, ob die fragliche Substanz sowohl in vivo bei 5 Patienten als auch in vitro bei Zellkulturen einen Anstieg der Frataxinproduktion bewirken kann - des Proteins, das sich bei Friedreich-Ataxie als defizitär erweist. Für eine derartige Studie wird ein Budget von 5.000 Euro für Reagenzien und weiteres Labormaterial benötigt. Die anfänglichen Daten aus diesen ersten Erhebungen gestatten es zukünftig, die folgende Studie fehlerfreier und wissenschaftlich fundierter zu gestalten. Die Studie wird, sofern es uns betrifft, weitere Untersuchungen auf molekularer Ebene beinhalten.
Die Studie soll im Labor der Zell- und Molekularbiologie der Abteilung Histologie, Embryologie und Angewandte Biologie durchgeführt werden und besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil betrifft die Evaluation der Genexpression von Frataxin in den Leukozyten der Patienten. Die Studie soll mit Hilfe der sog. "Real Time" PCR durchgeführt werden, welche die Häufigkeit von mRNA misst und sich eines Instruments der neuesten Generation bedient, das dank der Stiftung Banca del Monte vor kurzem angeschafft werden konnte. Kurz gesagt wird gemessen, wieviel Boten-RNA von den Leukozyten exprimiert wird. Diese werden durch eine einfache Blutentnahme bei 5-7 Patienten ohne Therapie und nach 1 Monat mit Tocotrienol-Therapie gewonnen. Die Daten werden außerdem im Vergleich mit gesunden Personen evaluiert. Begründung dieser Studie ist die Tatsache, dass bei einer Erkrankung mit ähnlicher Ätiologie - der familiären Dysautonomie - die Behandlung mit Tocotrienol die DNA der Patienten und somit ihre Fähigkeit die fehlenden Proteine zu kodieren teilweise "freigegeben" hat. Wir wollen daher überprüfen, ob das Mittel, außer den negativen Auswirkungen des Frataxinmangels entgegenzuwirken, die zum großen Teil auf den oxidativen Stress zurückzuführen sind, in gewissem Sinn auch "heilend" wirkt, d.h. die, wenn auch nur teilweise, "Freigabe" der genetischen Transkription zulässt.
Der zweite Teil der Untersuchung soll in vitro durchgeführt werden, d.h. auf Zellkulturen. Bei einem chirurgischen Eingriff wurde einer jungen Patientin mit FRDA ein Stückchen Muskelgewebe entnommen; dieses winzige Gewebestückchen wurde seinerzeit eingefroren und soll nun aufgetaut und in einer Kultur angelegt werden, um eine ausreichende Anzahl von Zellen zu erhalten, auf denen die Auswirkung unterschiedlicher Konzentrationen von Tocotrienol getestet werden kann. Auch bei diesen Zellen beabsichtigen wir die Wirkung des Mittels auf die Genexpression von Frataxin zu überprüfen; wollen aber auch versuchen, die Aktionsmechanismen auf molekularer Ebene zu verstehen.
Quelle: AISA Website
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